Moderne und Gegenwart
im Museum Wiesbaden

Ein Neubeginn mit Auswirkungen bis in die Gegenwart — Die Kunst der 1950er- und 1960er Jahre im Museum Wiesbaden: Die europäische und amerikanische Moderne nach 1945 gehört zu den profiliertesten Sammlungen des Hauses. Ihr Schwerpunkt liegt in der ungegenständlichen Malerei und Skulptur, die sich mit den Themen Linie, Farbe, Fläche, Volumen und Raum auseinandersetzt.

Ausgehend davon prägen konzeptuelle Installationen, neue Materialien und Ansätze die Kunst der Gegenwart und damit auch die Sammlung des Wiesbadener Museums. hierbei stellen sich Fragen nach dem Wesen der Kunst, den Rahmenbedingungen und unterschiedlichen Bedeutungsebenen, die Kunstwerke eröffnen und zu denen sie in Beziehung gesetzt werden können.

Skulptur und Installation

Katsura Funakoshi, Tale of a Sphinx, 2004

Skulptur und Installation

Sind es nicht gerade die Köpfe, die Gesichter der Skulpturen, die uns eine Realität vor Augen führen? Eine Realität jedoch, die uns vertraut und fremd zugleich erscheint. Die Irritation, die hier erzeugt wird, ist ein wesentliches Merkmal der Skulptur, sie wirft uns auf uns selbst. Im Museum Wiesbaden treten Malerei und Skulptur in einen Dialog und werden innerhalb der Sammlungsschwerpunkte immer wieder neu kontextualisiert: Von den sakralen Figuren bei den Alten Meistern, den Büsten und schwungvollen Skulpturen im Jugendstil und den abstrakten Formen des Expressionismus und der Klassischen Moderne. In der Kunst der Gegenwart verschmelzen beide Bereiche. In ihren Installationen gehen die Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart über die klassische Skulptur hinaus, bespielen ganze Räume und verwenden ungewohnte, neue Materialien für ihre Kunst.

Künstler:innenräume und Rauminstallationen

Raum-Installationen von Rebecca Horn, Jochen Gerz, Ilya Kabakov oder auch Katharina Grosse sowie Arbeiten der amerikanischen Minimal Art ergänzen den Bestand. Ganze Werkkomplexe versammeln sich in Künstler:innenräumen, oft eng verbunden mit der Architektur des Hauses. Diese meist dauerhaften Präsentationen bieten den Besucher:innen konstante Angel- und Ausgangspunkte beim Streifgang durch die Museumsräume. Als gewohnt erscheinen sie vertraut und werden doch immer wieder neu befragt im wechselnden Zusammenspiel mit den unterschiedlichen Sonderausstellungen des Hauses.

Internationale Kunst

Jörg Immendorff, Baby für Zunder-Zunder, 1966

Internationale Kunst

Heute gehören die Moderne nach 1945 und die zeitgenössische Kunst zu den profiliertesten Positionen des Hauses. Einsetzend mit internationalen Vertretern des Abstrakten Expressionismus reichen die Künstlernamen hier von K. O. Götz über Gerhard Hoehme bis Mark Rothko und Ad Reinhardt. Mit Werken von Georg Baselitz, Jörg Immendorff und Gerhard Richter sowie Arbeiten von Joseph Beuys und Wolf Vostell ist die Kunst der jungen Bundesrepublik stark vertreten. Und allein mit zwölf Arbeiten von Eva Hesse das Werk einer der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Hesse, die als Kind einer jüdischen Familie in Hamburg geboren, nach der Flucht in die USA in New York aufwuchs, schlägt die Brücke zu unserer Sammlung nordamerikanischer Kunst: Donald Judd, Fred Sandback, Robert Mangold, Ellsworth Kelly, Brice Marden, David Novros und Agnes Martin sind hier zu nennen, sowie in jüngster Zeit Joanna Pousette-Dart, Winston Roeth und Joseph Marioni.

Kunst seit den 1960ern

Die Öffnung und Erweiterung des Kunstbegriffs fand ihren Niederschlag in Strömungen der 1960er-Jahre. So beschäftigten sich etwa Thomas Bayrle und Peter Roehr mit Phänomenen der modernen Gesellschaft und deren Massenkultur. Zwischen Faszination, kühler Beobachtung und beißender Kritik bewegten sich ihre Arbeiten, die — aus sich ständig wiederholenden Versatzstücken bestehend — wie ein Flimmern der Konsum- und Warenwelt erschienen. In ähnlicher Weise verwendete Gerhard Richter Fotovorlagen für seine Malerei. Er befragte das Bild als Gemälde und zugleich als Abbild unserer Wirklichkeit. Als Vorlage für Terese Andeszka wählte er einen Zeitungsausriss, der zunächst eine private Tragödie (mit letztlich glücklichem Ausgang) zu thematisieren scheint, in Wahrheit aber über diese hinaus auf die Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang und damit die eigene Biograpfie Richters verweist. Diese „Wahrheit“ jedoch wurde von Richter verborgen; sie ist nur über den „Umweg“ seines als Atlas veröffentlichten Bildarchivs greifbar. Denn erst hier erscheint die vollständige Unterzeile des Zeitungsausrisses, welche besagte Familie als Flüchtlinge aus Ungarn benennt, sodass deren Rettung nun vor einem ganz anderen Hintergrund erscheint.

Gerhard Richter, Terese Andeszka, 1964. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Gerhard Richter, Terese Andeszka, 1964. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Blick in die Sammlungspräsentation

Eva Hesse, Eighter from Decatur, 1965.
Eva Hesse, Eighter from Decatur, 1965.
v.l. (oben) n.r. (unten): Joanna Poussette-Dart, Banded Painting #4 2015/16; K. O. Götz, Krakmo, 1958, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Gerhard Richter, Königin Elisabeth, 1967; Ellsworth Kelly, White Relief over Black, 2004; Winston Roeth, Untitled Drawing I, 2005; Vollrad Kutscher, Leuchtende Vorbilder 1990/2006, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Ernst Wilhelm Nay, Afrikanisch, 1954; Otto Ritschl, 63/26, 1963, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Mark Rothko, o.T., 1967, © Kate Rothko-Prizel & Christopher Rothko / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; David Novros, Salidas, 2016, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Rebecca Horn, Circle of Broken Landscape, 1997/2007; Otto Ritschl, 61/21, 1961, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Rupprecht Geiger, 587/69, 1969, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Jörg Immendorff, Deutsche Nichtschwimmer ins Wasser / Sonne-Regen-Sonne, 1965; Joseph Beuys, Capri-Batterie, 1985, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021. Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
v.l. (oben) n.r. (unten): Joanna Poussette-Dart, Banded Painting #4 2015/16; K. O. Götz, Krakmo, 1958, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Gerhard Richter, Königin Elisabeth, 1967; Ellsworth Kelly, White Relief over Black, 2004; Winston Roeth, Untitled Drawing I, 2005; Vollrad Kutscher, Leuchtende Vorbilder 1990/2006, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Ernst Wilhelm Nay, Afrikanisch, 1954; Otto Ritschl, 63/26, 1963, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Mark Rothko, o.T., 1967, © Kate Rothko-Prizel & Christopher Rothko / VG Bild-Kunst, Bonn 2021; David Novros, Salidas, 2016, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Rebecca Horn, Circle of Broken Landscape, 1997/2007; Otto Ritschl, 61/21, 1961, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Rupprecht Geiger, 587/69, 1969, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Jörg Immendorff, Deutsche Nichtschwimmer ins Wasser / Sonne-Regen-Sonne, 1965; Joseph Beuys, Capri-Batterie, 1985, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021. Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Kunstpreise

Mit dem Museum Wiesbaden sind zwei Kunstpreise verbunden. Der eine ist der Alexej-von-Jawlensky-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden, der an das Lebenswerk des großen russischen Malers erinnert, der von 1921 bis zu seinem Tode 1941 in Wiesbaden lebte. Er wird alle 5 Jahre vergeben und u.a. gestiftet von der hessischen Landeshauptstadt, der Spielbank Wiesbaden und der Nassauischen Sparkasse.

Als zweites ist der Otto-Ritschl-Preis zu nennen. Der Künstler lebte zwischen 1918 und 1976 in Wiesbaden. Nach anfänglich figürlicher, später auch dem Surrealismus nahestehender Arbeit näherte er sich in den fünfziger Jahren schrittweise der zunächst geometrischen, später eher expressiven Abstraktion. Seit Beginn der sechziger Jahre kreiste sein zunehmend meditatives Spätwerk um einen immateriellen, nur durch Farbe gestalteten Raum. Um den Namen Otto Ritschl lebendig zu halten, vergibt der Museumsverein Ritschl e.V. seit 2001 den ihm gewidmeten Kunstpreis.

Kalender

  • Di
    30 Nov
    18:00—19:00
    Slawomir Elsner — Präzision und Unschärfe
  • Do
    02 Dez
    18:00—19:00
    Viola Bittl
  • Sa
    04 Dez
    10:00—18:00
    Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden

Bildungsangebote
für pädagogische Gruppen

Das Museum Wiesbaden bietet eine Vielzahl an Veranstaltungen für jede Altersklasse an. Ob Führungen, Workshops für Kitas und Schulen, Lehrerfortbildungen, Angebote für Studierende, private Gruppen oder Familien mit Kindern.

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