August Macke

Paradies! Paradies?

30 Okt 20 — 9 Mai 21

August Macke, Seiltänzer (Detail), 1914, Kunstmuseum Bonn. Foto: Kunstmuseum Bonn / Reni Hansen

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„…bei mir ist Arbeiten ein Durchfreuen der Natur, der Sonnenglut und der Bäume, Sträucher, Menschen, Tiere, Blumen und Töpfe, Tische und Stühle, Berge, Wasser beschienenen Werdens…“

August Macke an Hans Thuar, 1910

August Macke, einer der bedeutendsten deutschen Expressionisten am Beginn des 20. Jahrhunderts, war einer der ersten Maler, der im Ersten Weltkrieg mit gerade einmal 27 Jahren schon Ende September 1914 gefallen ist. Nach dem Krieg wurde von seiner Frau Elisabeth, um einem schnellen Vergessen sogleich entgegenzuwirken, aus dem Nachlass des Künstlers eine „August Macke Gedächtnis-Ausstellung“ mit über 160 Werken organisiert, die im Herbst 1920 auch im Museum Wiesbaden gastierte. Anlässlich dieser vor exakt 100 Jahren durchgeführten umfassenden Retrospektive präsentiert das Museum Wiesbaden in enger Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn August Macke in all seiner Vielfältigkeit.

In der Ausstellung wird Mackes stilistische Entwicklung nachvollziehbar: Ausgehend vom impulsiven Impressionismus eines Lovis Corinth, der kurzzeitig in Berlin sein Lehrer war, trug er durch seine Begegnung mit dem Fauvismus und Futurismus in Paris (Henri Matisse, Robert Delaunay) und die Zugehörigkeit zur 1911 in München gegründeten Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ um Wassily Kandinsky und Franz Marc einen entscheidenden Beitrag zum künstlerischen Aufbruch nach der Jahrhundertwende bei. 1910 kehrt er vom Tegernsee, wo er im Umland Münchens lebte, zurück nach Bonn. Dort entfaltete er aufgrund seiner mannigfaltigen Erfahrungen und seinem intuitiven Gespür für Farben große Wirkung auf die hiesige Kunstszene, etwa als Initiator der „Ausstellung Rheinischer Expressionismus“ im Jahr 1913. Nur ein Jahr zuvor hatte ihm die für die Entwicklung der Avantgarde bedeutende Galerie Thannhauser in München die erste Einzelausstellung ausgerichtet.

Die Wiesbadener Ausstellung beleuchtet anhand sorgfältig ausgewählter Beispiele alle Schaffensphasen August Mackes. Darüber hinaus werden zudem die Medien vorgestellt, in welchen der Künstler tätig war — vom Gemälde über die Zeichnung zur Druckgrafik bis hin zu den atmosphärischen Aquarellen, die vom Thuner See in der Schweiz stammen oder während der berühmten Reise mit Paul Klee und Louis Moilliet im afrikanisch-orientalischen Tunis (April 1914) entstanden waren. Seine bildkünstlerischen Gattungen waren durch und durch klassischer Natur: Landschaft, Stillleben und Porträt. Ein besonderes Augenmerk der Werkschau liegt auf dem positivistischen Menschenbild des Künstlers, das sich nicht nur in seiner Aktkunst offenbart, sondern auch und gerade in seinen vielen Darstellungen des Menschen in der Natur oder dem modischen Flaneur, der sich in den Schaufenstern der Großstadt prismatisch gebrochen schillernd spiegelt. Beschlossen wird die 80 Werke umfassende Retrospektive mit Beispielen seiner abstrakten Kunst und angewandten Entwürfen sowie Arbeiten der Maler, die er von Bonn aus im Rheinland — darunter etwa Heinrich Campendonk oder Heinrich Nauen — inspirierte.

All seine Werke ließen diesen Ausnahmekünstler letztlich, obwohl ihm lediglich zehn Jahre zur Entfaltung blieben, zu einer eigenständigen Stimme im Orchester der Maler werden, die mit aller Macht und dennoch (hier hebt er sich von den anderen Avantgardekünstlern seiner Zeit ab) auf harmonische Art und Weise die Konventionen des ausgehenden 19. Jahrhundert überwinden wollten.

Ausstellungsansichten

August Macke, Frau des Künstlers mit Hut (Detail), 1909, Öl auf Leinwand, 49,7 × 34 cm LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, Westfälisches Landesmuseum. Foto: LWL-MKuK/Hanna Neander
August Macke, Frau des Künstlers mit Hut (Detail), 1909, Öl auf Leinwand, 49,7 × 34 cm LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, Westfälisches Landesmuseum. Foto: LWL-MKuK/Hanna Neander
Alle Ausstellungsansichten: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Alle Ausstellungsansichten: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

„Persönliche Begegnungen mit Wassily Kandinsky, Franz Marc oder Robert Delaunay waren es, die August Mackes späteren Bildern eine zeitgemäße kaleidoskopartige Fragilität verliehen, wodurch seine farbenprächtigen paradiesischen Bilder bei aller Heiterkeit zugleich einen melancholischen Charakter der Vergänglichkeit in sich tragen.“

Zitat von Dr. Roman Zieglgänsberger, Kurator der Ausstellung

Ausgewählte Werke

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