Zeit

Auerochse

Zeit

In Wissenschaft und Kunst sind Zeitphänomene der Natur gleichermaßen ein Thema. Das sind einerseits Zeitgeber, wie Sonne und Mond, Symbole für Rhythmik oder Lichtquellen. Andererseits wird Endlichkeit von Zeit im Maßstab unserer Welt behandelt. Die Natur verändert sich stetig und anerkannte Chronisten dafür sind die durch geologische Prozesse entstandenen Fossilien. Sie zeugen von vergangenen Welten und können doch nur in Teilen verstanden werden.

Mit Versteinerungen aus der Region blickt die Ausstellung auf die Entstehungsgeschichte der heutigen Tiere und Pflanzen zurück. Vor 400 Millionen Jahren, als Hessen noch ein großes Meer war, lebten hier Schwämme, Korallen, Seelilien, Muscheln, Schnecken und Tintenfische. Auch die heute nicht mehr existierenden Trilobiten und Panzerfische zeugen vom Leben im Erdaltertum. Im Tertiär sah die Welt wieder ganz anders aus. Im flachen Meer jagten Riesenhaie Seekühe. Sumpflandschaften boten Lebensraum für Krokodile, Schildkröten, Fische und Frösche. Die Überreste dieser Pflanzen- und Tierwelt stammen aus 12 bis 38 Millionen Jahre alten Ablagerungen einer Meeresbucht auf der Fläche von Rheinhessen, dem Mainzer Becken.

In jüngeren Ablagerungen des Ur-Mains und der Lahnmulde wurden Mammuts, Waldelefanten, Flusspferde, Hyänen, Hirsche und Bären gefunden. Die ältesten dieser Versteinerungen sind 890.000 Jahre alt, die jüngsten 20.000 Jahre. In dieser Zeit gab es mehrere starke Klimaveränderungen, die die Lebensgemeinschaften prägten. Der wärmeliebende Waldelefant lebte nicht zeitgleich mit dem Mammut der Kältesteppen. Die frühen Menschen der Eiszeit hielten ihre Eindrücke der Lebenswelten mit großer Kunstfertigkeit in Höhlenmalereien fest.

Highlights im Raum der Zeit

Als Wiesbaden
am Ozean lag

Auch ihr Erhaltungszustand, ihre Seltenheit und die gewaltigen Lücken zwischen den Vorkommen oder zu den Nächstverwandten sind Thema der  Paläontologie. Das Stadtgebiet Wiesbadens ist ein Beispiel hierfür. Vom Rhein bis zu den ersten Taunuskämmen erstreckt sich eine von Sanden, Kiesen und Löß gefüllte Senke, die noch immer mit dem Oberrheingraben absackt. In den Kiesen und Sanden finden sich Fossilien aus der jüngsten Vergangenheit, dem Zeitalter des Klimawandels oder Quartärs. Darunter fehlen die Sedimente einiger Millionen Jahre, die von Wind und Wasser beseitigt wurden. In den Wiesbadener Steinbrüchen lassen sich dann Kalke aus Meeresablagerungen aus einer Zeit vor etwa 20 bis 30 Millionen Jahren entdecken. Und schließlich zeugen die Schiefer des Taunus von einem Ozean vor etwa 380 Millionen Jahren.

Besonders spannend in der Wiesbadener Ausstellung ist die wechselvolle Geschichte des Mainzer Beckens im Tertiär. Breits im 19. Jahrhundert begannen die Brüder Sandberger diese Lebenswelt zu erforschen und die Fossilien wurden weltbekannt. Vor 31 Millionen Jahren war das Gebiet von einem subtropischen Meer bedeckt, das im Süden bei Basel endete. An der Küste bildeten sich zeitgleich Kiese und Sande, die zur Alzey-Formation gehören und unzählige Fossilien enthalten. Zahlreiche ökologische Nischen sind durch entsprechende Meerestiere belegt. Das Meer war warm, bis zu 180 Meter tief und von Riesenhauen und ihrer Nahrung, wie beispielsweise Thunfischen oder Seekühen, bevölkert. Letzteren stand an den flachen Sand- und Kiesküsten Seegras zur Verfügung. Im Laufe der Jahrmillionen verflachte das Meer zunehmend und die Verbindung zum Nordmeer wurde unterbrochen. Zwischen Oberrheingraben und Mainzer Becken bildeten sich vor 24 Millionen Jahren eine Barriere aus Algenriffen und eine flache Lagune. Der entstandene Kalkstein diente bis in die neuste Zeit als Grundlage für die Zementproduktion in der Region. Die zunehmend brackigen Lebensbedingungen förderten das Wachstum einiger Muscheln und Schnecken, die mit wenigen Arten in solchen Massen auftraten, dass sie millionenfach die sogenannten Hydrobienschichten bildeten.

Steppenbison aus dem Quartär, Seekuh aus dem Tertiär, Seelilie aus dem Devon. Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Steppenbison aus dem Quartär, Seekuh aus dem Tertiär, Seelilie aus dem Devon. Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Blick in die Dauerausstellung

Runzelkorallen des Devon. Foto: Museum Wiesbaden / Stefan Schmitt
Runzelkorallen des Devon. Foto: Museum Wiesbaden / Stefan Schmitt
v.l. (oben) n.re. (unten): Deinotherium, Hunsrückschiefer, Blätterfossilien aus dem Tertiär, Steedener Löwe. Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
v.l. (oben) n.re. (unten): Deinotherium, Hunsrückschiefer, Blätterfossilien aus dem Tertiär, Steedener Löwe. Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

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