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Zum Jahreswechsel — Ein Gruß des Direktors

GRUSSWORT

Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

„Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einziehn, sich ihrer entladen. Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.“

In diesen Zeilen aus dem „West-östlichen Divan“ formuliert Goethe eine wichtige Qualität des Atmens, die weit über die reine Sauerstoffzufuhr hinausreicht. In Zeiten von Covid-19 nehmen wir das Atmen allerdings ganz anders wahr. Es wird zu einer potentiell tödlichen Bedrohung, für mich und für meinen Nächsten. Dadurch wird deutlich, dass das Atmen immer auch eine gemeinschaftliche Dimension hat. Wir teilen uns beim Atmen alle die gleiche Luft, dieser elementare Lebensvorgang zeichnet eine zutiefst verbindende Geste aus. Ich halte es daher für einen glücklichen Umstand, dass wir in diesen Tagen die raumgreifende Videoarbeit „ARS MUNDI 2020, Ach, Och und Aerosole“  des Künstlers Vollrad Kutscher installieren konnten. In dieser Arbeit konfrontiert uns Kutscher auf anregende, präzise und zugleich erzählerische Art und Weise mit der Frage nach dem Atmen. Sinnfällig wird dabei unter anderem die hohe Individualität, die dem Atmen zu eigen ist. Das Ein- und Ausatmen ist so unterschiedlich, wie wir Menschen einzigartig sind. Und es ist so differenziert, wie wir uns jeweils im Augenblick fühlen. Nicht nur die Augen, sondern auch das Atmen ist ein Spiegel der Seele.

Alle Fotos: Kutscher/Reifarth/Machnik, Ars Mundi 2020 (Filmstills)
Alle Fotos: Kutscher/Reifarth/Machnik, Ars Mundi 2020 (Filmstills)

Die Videoinstallation ist unser Beitrag zur Sonderausstellung der Kunsthalle Wiesbaden: „Vollrad Kutscher reSTART, mit Dieter Reifarth (Film) und Hubert Machnik (Technik).“ Sie sollte am 12. Dezember ihre Türen öffnen, was aufgrund der pandemiebedingten Schließung der Museen jedoch nicht möglich war. Hoffen wir, dass wir die Naturkatastrophe so weit in den Griff bekommen, dass in den nächsten Wochen wieder an eine Öffnung der Museen zu denken ist.

Es tut nach wie vor weh, die weitläufigen Ausstellungsräume des Museums Wiesbaden erneut so verwaist zu sehen. Die Werke der Kunst wollen anregen und impulsieren, zum Betrachten, Erfreuen und Denken einladen. Die Objekte der Naturhistorischen Sammlungen wollen gesehen und studiert werden, die Schönheit und Genialität der Gestaltungskräfte der Natur offenbaren. Ganz besonders traurig ist es, durch die neuen Sonderausstellungen zu laufen, die so dringend auf Sie als Besucherin und Besucher warten. Dazu zählt nicht nur die fulminante Ausstellung  „August Macke. Paradies! Paradies?“, die ja immerhin schon für ein Wochenende ihre Türen öffnen konnte.

Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Dazu gehört „Exquisit – Kunst des 19. Jahrhunderts“, die die so großartige wie großzügige Schenkung Jan und Friederike Baechle zeigt. Ebenso fertig aufgebaut ist die Studienausstellung„Das Natternkind des Asklepios“, die der Äskulapnatter und der Smaragdeidechse gewidmet ist und somit zwei Reptilien vorstellt, für welche die Region um Wiesbaden und das Lahntal besondere Verantwortung tragen.

Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Alle Fotos: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Aufgrund des Lockdowns verlängern wir die Laufzeiten der Sonderausstellungen und planen das gesamte Programm des ersten Halbjahres um, damit unsere Gäste eine reelle Chance erhalten, diese Ausstellungen besuchen zu können. Die neuen Daten finden Sie auf unserer Website. In den nächsten Wochen wird jedoch weiterhin unser aller Gemeinsinn gefragt sein, also die gemeinsame Verantwortung für einen umsichtigen und lebensbejahenden Umgang mit der Pandemie. Wir freuen uns, wenn Sie über unseren digitalen Kanäle Einblick in unsere Sammlungen und Sonderausstellungen nehmen und unsere Aktivitäten begleiten. Die „Weihnachtsstücke“ sind naturgemäß abgeschlossen, mit unseren „Lieblingsstücken“ wollen wir Sie auf weitere Werke neugierig machen.

Eindrücke der Videobeiträge

"Unsere Lieblingsstücke"

"Unsere Weihnachtsstücke"

Die positive Resonanz für unseren Blog motiviert uns natürlich sehr, auch dieses Format regelmäßig zu bespielen. Das gilt genauso für unsere Social-Media-Kanäle auf Facebook und Instagram – wer noch nicht dabei ist, sei herzlich eingeladen, hineinzuschauen, zu liken, zu teilen, zu posten und zu reposten.

Die App des Museums Wiesbaden erfreut sich weiterhin einer stark zunehmenden Beliebtheit. Zuletzt kamen Rundgänge für die neuen Sonderausstellungen „Exquisit. Kunst des 19. Jahrhunderts – Schenkung Jan und Friederike Baechle“ sowie „August Macke. Paradies! Paradies?“ und die Schlender-Tour durch die Kunst- und Naturpräsentation hinzu. Es ist uns wichtig, die App kostenfrei anzubieten. Mit ihr kann man sich individuell beim Gang durch Dauer- und Sonderausstellungen informieren (vorausgesetzt, dass Haus ist wieder geöffnet) oder den Museumsbesuch von zu Hause aus vor- und nachbereiten.

Die Statistik des vergangenen Halbjahres zeigt: Ein Fünftel der Systemsprachen der Handys ist nicht Deutsch. Nach Englisch folgen Persisch, Niederländisch und Arabisch, danach Französisch, Chinesisch, Russisch, Türkisch, Spanisch... Insgesamt wird das englische Sprachprofil der App mit mehr als 20 Prozent der Abrufe genutzt. Ungefähr fünf Prozent der Zugriffe erfolgen aus dem Ausland, wobei hier interessanterweise seit der Eröffnung der Macke-

Ausstellung die meisten Zugriffe aus dem Iran zu verzeichnen sind, dicht gefolgt von den USA, Indien, England und den Niederlanden. Aber auch Länder wie Pakistan, Katar, Saudi-Arabien oder Myanmar weisen vergleichsweise hohe Zugriffszahlen auf.

Besonders möchte ich Sie aber auch auf die Website der „Freunde des Museums Wiesbaden e. V.“  hinweisen, auf der Sie regelmäßig interessante und abwechslungsreiche Einblicke in die Aktivitäten des Museums und des Freundeskreises nehmen können. An dieser Stelle sei daher ein erneuter Dank für dieses großartige Engagement gestattet. Apropos Website: ein erster Relaunch der Website des Museums Wiesbaden ist erfolgt – wenn Ihnen dort ein Schmetterling über den Bildschirm flattert, so sind Sie eingeladen, den Newsletter  des Museums zu bestellen.

Im neuen Jahr werden wir weitere Schritte unternehmen, um den digitalen Raum zu erobern. Dazu gehört eine Online Collection, die im Sommer an den Start geht. Schon in den nächsten Wochen werden wir Ihnen endlich ein Online-Ticketing-System anbieten können, so dass Eintrittskarten, Führungen und Veranstaltungen bequem vorab zu buchen sind. Natürlich setzen wir alles daran, Ihnen auch im neuen Jahr ein abwechslungsreiches und hochqualitatives Programm an Sonderausstellungen anzubieten. Genauso entwickeln wir anregende und spannende Vermittlungsformate, die unsere Besucherinnen und Besucher in ihrer ganzen Vielfalt ansprechen wollen. Eine zentrale Herausforderung sehen wir in der Frage der Nachhaltigkeit, mit der wir uns in den verschiedensten Abteilungen des Museums Wiesbaden auseinandersetzen, in Technik und Bau, in Verwaltung und Vermittlung, in Präparation und Ausstellungswesen, in Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement…

Gerne möchte ich an dieser Stelle einen großen Dank allen Förderern, Sponsoren, Sammlungs-, Kooperations- und Mediapartnern aussprechen. Dank Ihrer Unterstützung ist es gelungen, ein vielfältiges und substantielles Programm zu realisieren. Ein sehr herzlicher Dank geht auch an die Freunde des Museums Wiesbaden e. V., an alle Mitglieder, Vorstand und Kuratorium. Ebenso möchte ich mich bei den Ehrenamtlichen für die gute und wichtige Zusammenarbeit bedanken.

Im Namen des ganzen Teams des Museums Wiesbaden wünsche ich Ihnen einen guten Start in ein anregendes, gesundes und inspirierendes neues Jahr. Wir freuen uns, wenn wir wieder unsere Türen für Sie öffnen dürfen. Und wir hoffen, dass Sie sich auf die Wieder- und Neubegegnungen mit dem Reichtum der Dauerausstellungen im Museum Wiesbaden freuen, dass Sie gespannt sind auf die oben genannten Sonderausstellungen, dass Sie schon mit Neugier den beiden großen neuen Sonderausstellungen „Kristalle – Vom Diamant bis zum Gips“  und „Von Kühen, edlen Damen und verzauberten Landschaften – Neues aus dem 19.“  entgegenblicken. Bis dahin verbleibe ich herzlich

Ihr

Dr. Andreas Henning
Direktor

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