Geschichte
Oktogonaler Eingangsraum der Kunstsammlung mit aufwendig sanierter historischer Deckenbemalung
Die Gründung der Wiesbadener Museumssammlungen geht auf die ehemaligen herzoglichen Gemäldesammlungen zurück. Einer Anregung des in Wiesbaden zur Kur weilenden Johann Wolfgang von Goethe folgend, wurden die Gemäldesammlungen im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts um Kunstwerke, Altertümer und Naturalien aus dem Besitz des Frankfurter Privatsammlers Johann Isaac Freiherr von Gerning erweitert. In der Folge dieser Sammlungserweiterung bildeten sich drei Museen. Träger waren der Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, der Nassauische Verein für Naturkunde und der Nassauische Kunstverein.

Erster Standort der drei Museen war das ehemalige Erbprinzenpalais an der Wilhelmstraße, heute Sitz der Industrie- und Handelskammer. Die rege Sammel- und Erwerbstätigkeit der drei Vereine führte gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Erbprinzenpalais zu gravierenden räumlichen Engpässen. 1899 gingen die drei Museen in städtische Verwaltung über. Durch Vertrag mit der Königlich-Preußischen Staatsregierung wurden gleichzeitig die finanziellen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Neubau geschaffen. 1913 konnte nach Plänen des Museumsarchitekten Theodor Fischer mit dem ersten Spatenstich begonnen werden. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs veränderte 1914 schlagartig alle Lebensumstände und -maßstäbe. Am 1.10.1915 wurde die Gemäldegalerie der Residenzstadt Wiesbaden eröffnet. Das Naturwissenschaftliche Museum und das Museum Nassauscher Altertümer wurden in den beiden Seitenflügeln zwei Jahre nach Kriegsende, am 15.7.1920, der Öffentlichkeit übergeben.

In der Konzeption des Theodor Fischer-Baus war die Hälfte der Gemäldegalerie für die Durchführung wechselnder Ausstellungen vorgesehen. In den 1920er und frühen 1930er Jahren entwickelte der Nassauische Kunstverein dort eine rege und interessante Ausstellungstätigkeit. Auch wurden mit Hilfe Wiesbadener BürgerInnen wichtige Sammlungsergänzungen im Bereich der klassischen Moderne vorgenommen. Als Dauerleihgabe gehörten dazu auch zahlreiche Gemälde des Wiesbadener Sammlers Heinrich Kirchhoff.

Nach Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden alle Gemälde aus dem Umfeld des Expressionismus (z.B. Jawlensky, Klee) und der konstruktiven Positionen konfisziert und abtransportiert. Der Sammler Heinrich Kirchhoff musste seine Dauerleihgaben zurücknehmen. Von dem unter Hitler eingesetzten Museumsleiter Prof. Dr. Hermann Voss wurden zwischen 1934 und 1944 zahlreiche Barockgemälde erworben und in die Museumssammlung integriert.

Während des zweiten Weltkriegs diente das Museumsgebäude teilweise militärischen Zwecken. 1944 wurde ein großer Teil der Gemälde nach Schloß Pillnitz bei Dresden verbracht und erst 1989 wieder rückgeführt.

Nach Kriegsende wurde das Museum Wiesbaden zum "Central Collecting point" der Amerikaner. Nachdem die hier vorübergehend eingelagerten Kunstschätze - darunter die Büste der Nofretete und Rembrandts Mann mit dem Goldhelm - wieder an ihre Besitzer zurückgegeben worden waren, begann in den 1950er und 1960er Jahren mit sparsamsten Mitteln eine Phase der Wiedereinrichtung der Sammlungen. In diese Zeit fällt auch der beginnende Aufbau der heute wertvollsten und bedeutendsten Sammlung des Hauses - der Jawlensky-Sammlung - durch den damaligen Museumsdirektor Clemens Weiler.

Im Jahre 1973 wurde das Museum Wiesbaden dem Land Hessen übereignet. Die ursprünglich selbständigen drei Museen wurden dabei organisatorisch zu den heutigen drei Abteilungen des Hauses.

Gegen Ende der 1980er Jahre wurde in den Räumen der Gemäldegalerie die vom Nassauischen Kunstverein begründete Tradition der regelmäßigen Durchführung wechselnder Ausstellungen wieder belebt. Seit 1987 werden pro Jahr zwischen 3 bis 4 Sonderausstellungen gezeigt.

Eine Anfang der 1990er Jahre durchgeführte Bestandsaufnahme aller baulichen und konzeptionellen Mängel führte 1992 zu der Entscheidung des Landes, die Mittel für einen ersten Sanierungsabschnitt bereitzustellen.

Gleichzeitig wurde bei der Bestandsaufnahme auch deutlich, dass in dem Gebäude an der Friedrich-Ebert-Allee für eine zeitgemäße Fortentwicklung der Sammlungen aller drei Abteilungen keine ausreichenden Flächen vorhanden sind. Im Jahre 2002 wurde dieser Erkenntnis Rechnung getragen Die Sammlung Nassauischer Altertümer wird in das von der Landeshauptstadt Wiesbaden auf dem Nachbargrundstück Rheinstraße Ecke Wilhelmstraße geplante Stadtmuseum integriert.