Expressionismus bis Minimal
Neupräsentation der Sammlung
25. März – Herbst 2011
Die Neupräsentation der Hauptwerke von 1900 bis zur Gegenwart umfasst vier Teilbereiche, die im äußeren Rundgang der Kunstsammlung miteinander verbunden sind: Deutscher Expressionismus, Konstruktivismus, Malerei der 1950/60er Jahre sowie zeitgenössische Künstlerpositionen von Eva Hesse und Rebecca Horn bis hin zur Minimal Art und Konzept Kunst. Erstmals werden dabei Gemälde mit einer Auswahl bislang kaum präsentierten Skulpturen der jeweiligen Epoche kombiniert. Die Bildhauer Karl Albiker, Georg Kolbe, Wilhelm Lehmbruck oder Milly Steger deuten schlaglichtartig an, was bislang wenig bekannt war, dass im Museum Wiesbaden plastische Werke von höchstem Rang bewahrt werden.
Pressematerial
Willi Baumeister
Mogador auf Violett, 1951
Museum Wiesbaden
Raumansicht mit der Arbeit
Otto Mueller, Liebespaar, 1919/25
Museum Wiesbaden
Raumansicht mit Arbeiten von
Otto Mueller und Max Beckmann
Museum Wiesbaden
Raumansicht mit Arbeiten von
Alexej von Jawlensky
Raumansicht mit Arbeiten von
Eva Hesse
Raumansicht mit Arbeiten von
Gerhard Richter und Jörg Immendorff
Raumansicht mit Arbeiten von
Karl Fred Dahmen und Otto Greis
Raumansicht mit Arbeiten von
Milly Steger und Natalija Gontscharowa
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Raum 1-4 (Expressionismus)
Der erste neu gestaltete Raum setzt mit ausgewählten Höhepunkten aus dem Bereich des deutschen Expressionismus ein. Die hier zusammengeführten Werke von Max Beckmann, Erich Heckel, Otto Mueller oder Emil Nolde verdeutlichen, dass der deutsche Expressionismus nicht allein von seiner bunten Farbigkeit lebt, sondern dass diese oftmals auch in gedämpfter Tonigkeit ausgeführten Gemälde eine unbestechliche Magie zu entfalten vermögen. Innerhalb des farblich sehr zurückgenommenen Raums prägt die private Nacktheit des versteckt im dichten Wald eng umschlungenen Liebespaares von Otto Mueller aus den 1920er Jahren den gesamten Raum. Sie findet sich wieder sowohl in den Plastiken des Tänzers Nijinsky von Georg Kolbe und dem selbstverliebten Narziss von Karl Albiker als auch in dem Gemälde Nackte Dame mit Hündchen von Max Beckmann – hier allerdings deutlich frivoler.
Zwischen Beckmann und Mueller überrascht im ersten Moment eines der seltenen gut erhaltenen Gemälde des Künstlers Hans von Marées (Die Labung, um 1880), das 1980 erworben wurde, aber im Museum Wiesbaden bislang noch nie ausgestellt war. Marées, einer der bedeutendsten Figurenmaler des 19. Jahrhunderts steht nicht nur Beckmann in seiner durch und durch plastischen Figurenauffassung nahe, sondern beeindruckte mit seinen großformatigen Triptychen nachweislich auch so berühmte Künstler wie Lovis Corinth, Adolf Hölzel, Paul Klee, Wilhelm Lehmbruck, Franz Marc oder Paula Modersohn-Becker – die Generation des Aufbruchs in die Moderne.
An den progressiven Wiesbadener Privatsammler der 1920er Jahre Heinrich Kirchhoff und dessen enge Beziehung zum Nassauischen Kunstverein bzw. zum Museum Wiesbaden sollen im Auftaktraum der neu eingerichteten Sammlung die beiden Arbeiten Der Garten Kirchhoff von Walter Jacob und Familienbildnis Kirchhoff von Conrad Felixmüller erinnern.
In den folgenden beiden Räumen werden die Brücke-Künstler Karl Schmidt-Rottluff und Ernst Ludwig Kirchner in gewohnter expressiver Farbenpracht präsentiert. Neuheiten sind hier die bedeutenden Dauerleihgaben Tannen im Schnee (1951) von Schmidt-Rottluff sowie das Bildnis Schames (1922) und das Nacktes Mädchen auf Diwan (1924/26) von Kirchner, die zuletzt in der vom Städel ausgerichteten Retrospektive zu sehen waren und nun im Museum Wiesbaden auf unbestimmte Zeit eine neue Heimat gefunden haben. Zu den Kirchner-Gemälden werden ergänzend zwei frühe Arbeiten von Ernst Wilhelm Nay (Menschen in den Lofoten, 1938 / Orphisches Lied, 1947) hinzugenommen, welche seine anfängliche Nähe zur Malerei der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe „Die Brücke“ veranschaulichen.
Der vierte Raum ist vornehmlich den Künstlerinnen der Moderne gewidmet, die – nachdem um 1900 überall in Deutschland sog. Damenmalschulen eröffneten – wesentlichen Anteil an der Avantgardebewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten. Neben den malerischen Arbeiten von Natalia Gontcharova, Ida Kerkovius, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin wird erstmals seit über 50 Jahren wieder die grün eingefärbte Gipsskulptur Mädchenkopf von Milly Steger (geförderte Künstlerin von Karl Ernst Osthaus in Hagen) der Öffentlichkeit in Wiesbaden präsentiert. Die beiden Werke von Marianne von Werefkin (Am Kamin, 1909 / Badehaus, 1910), die lange Jahre Lebenspartnerin von Alexej von Jawlensky gewesen ist, weisen auf die kommenden Jawlensky-Räume, einen Höhepunkt innerhalb der Abteilung „Klassische Moderne“ voraus.
Räume 5-7 (Alexej von Jawlensky)
Anlässlich seines 70. Todestages ist der zum Umfeld des Blauen Reiters gehörige Wiesbadener Maler Alexej von Jawlensky in neuer Präsentation zu erleben. In drei Räumen sind alle entscheidenden Entwicklungsphasen des Künstlers – von seinen frühen Münchner Anfängen bis hin zum Murnauer-Schwabinger Aufbruch, die Exilzeit in der Schweiz und die bedeutenden Wiesbadener Jahre – zu sehen.
Der erste Raum umfasst Jawlensky Kunst bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914. Hier entstanden so berühmte Bilder wie Dame mit Fächer (1909), Nikita (1910) oder Frau mit Stirnlocke (1913), die seinen Weltruhm begründeten. Neben diesen Höhepunkten sind aber die Stillleben des Künstlers in jener Zeit vor dem Ersten Weltkrieg von immenser Bedeutung. Hier experimentiert er und kommt nach und nach zu seinem eigenen unverwechselbaren Stil, was an der präsentierten Auswahl der Stillleben direkt nachvollziehbar wird. Die Farbigkeit wird heller und klarer, der Stil einfacher und weniger detailverliebt. Durch die Bronze Weiblicher Kopf (1910) von Wilhelm Lehmbruck wird die enge Beziehung zwischen dem Maler und dem Bildhauer, die sich gegenseitig, wie man aus den Erinnerungen Jawlenskys weiß, sehr geschätzt haben, offenkundig.
Im zweiten Jawlensky-Raum wird das Serielle in seiner Kunst thematisiert. In der Gegenüberstellung der landschaftlichen Variationen mit den Abstrakten Köpfen sowie den dazwischen liegenden Bindegliedern der Mystischen Köpfe und Heilandsgesichten wird dieser für Jawlensky wegweisende Schritt in die Zukunft auf komprimierte Art und Weise für den Betrachter direkt nachvollziehbar.
Höhepunkt der Jawlensky-Räume sind die Meditationen aus den 1930er Jahren, die erstmals in der zentralen Rotunde des Museums präsentiert werden. Das Rund der Architektur fördert ihren sakralen Charakter, das Ikonenartige: Die in sich ruhenden, um sich selbst kreisende Werkgruppe ist als krönender Abschluss von Jawlenskys Werk zu erfahren.
8. Raum (Kontruktivismus)
Konstruktive sowohl malerische als auch dreidimensionale Positionen der ersten Generation finden sich hier versammelt. Höhepunkt ist László Moholy-Nagys Gemälde Architektur III aus dem Jahr 1920, das Walter Dexels Hinterglasmalerei III P von 1925 gegenübergestellt ist. Friedrich Vordemberge-Gildewart – u.a. geschult durch seine Mitgliedschaft in der 1917 in Leyden gegründeten De Stijl-Gruppe – ist mit vier starkfarbigen Arbeiten und einem frühen Relief vertreten. Erich Buchholz, der mit El Lissitzky bekannt und damit schon früh mit der aus Russland kommenden suprematistischen Bewegung vertraut war, vertritt den zweiten wichtigen Pol innerhalb der konstruktiven Kunst – von ihm werden zwei seiner berühmten rot-goldene Reliefs aus den 1920er Jahren präsentiert.
Ausgestellte Kunstwerke
1. Raum
Höhepunkte des Expressionismus
Karl Albiker (Stehender Jüngling – Narziss, Bronze, 1911)
Max Beckmann (Liegender Akt, 1927)
Max Beckmann (Ochsenstall, 1933)
Josef Eberz (Tropischer Garten)
Konrad Felixmüller (Familie Kirchhoff, 1920)
Erich Heckel (Maske auf Buschbockfell, 1913)
Walter Jacob (Der Garten Kirchhoff)
Georg Kolbe (Tänzer Nijinsky, Bronze, 1914)
Hans von Marées (Die Labung, um 1880)
Otto Mueller (Liebespaar, 1919/25)
Emil Nolde (Blumengarten, 1926)
2. Raum
Karl Schmidt-Rottluff
Nächtlicher Mittelmeerhafen (1930)
Abend im Zimmer (1935)
Verandamorgen (1951)
Tannen im Schnee (1951)
Mädchenbildnis (1930)
Georg Kolbe (Schreitendes Mädchen, Bronze, um 1926)
3. Raum
Ernst Ludwig Kirchner + Ernst Wilhelm Nay
Kirchner (Seehorn, 1919)
Kirchner (Bildnis L. Schames, 1922)
Kirchner (Nacktes Mädchen auf Diwan, 1924/26)
Nay (Menschen in den Lofoten, 1938)
Nay (Orphisches Lied, 1947)
4. Raum
Künstlerinnen der Moderne
Natalia Gontcharova (Baignade, 1911)
Adolf Hölzel (Prozession, um 1908/09)
Ida Kerkovius (Figuren am Wasser, 1945)
Ida Kerkovius (Stuttgarter Landschaft, 1924)
Paula Modersohn-Becker (Armhäuslerin mit Ziege, 1903)
Gabriele Münter (Garten in Murnau, um 1909)
Gabriele Münter (Aufgehender Mond, 1930)
Milly Steger (Mädchenkopf, getönter Gips, vor 1922)
Marianne von Werefkin (Badehaus, 1910)
Marianne von Werefkin (Am Kamin, 1909)
Räume 5-7 – Jawlensky
Wilhelm Lehmbruck (Weiblicher Kopf, Bronze, 1910)
Nikita (1910)
Selbstbildnis (1912)
Bildnis Sacharoff (1913)
Bildnis Marianne von Werefkin (1906)
Dame mit Fächer (1909)
Frau mit Fächer (1912)
Frau mit Stirnlocke (1912/13)
Stillleben mit gelber Decke (1910)
Stillleben mit Heiligenbild (um 1912)
Stillleben mit Krug und Buch (um 1902)
Stillleben mit schwarzer Vase (1910)
Stillleben mit Äpfeln (um 1908)
5 Variationen (1916-21)
1 Mystischer Kopf (Dauerleihgabe Landesmuseum Darmstadt)
3 x Heilandsgesicht (1917-21)
7 Abstrakte Köpfe (1917-30)
12 Meditationen (1933-37)
8. Raum – Konstruktivismus / 1. Generation
Friedrich Vordemberge-Gildewart
Komposition 35 (1927)
Komposition 116 (1940)
Komposition 187 (1952)
Komposition 199 (1953)
Komposition 202 (1954)
Erich Buchholz-Reliefs (Goldkreis mit Schwarz / Mit 5 mach 1, Relief, 1922/48)
Walter Dexel (III P, 1925)
Laszlo Moholy-Nagy (Architektur III, 1920)
9. Raum – 1940/50er Jahre
Fritz Winter (Aktives Rot, 1952)
Willi Baumeister (Mogador auf Violett, 1951)
Rupprecht Geiger (Blau auf Schwarz, 1959)
Werner Graeff (GRUSLA)
Otto Ritschl (Es wird, 1933 / Blaue Form mit gelber Lemniskate, 1948)
10. Raum – Informel
Karl-Otto Götz (Krakmo, 1958)
Gerhard Hoehme (spazio meterologico, 1959)
Bernard Schulze (Stromlandschaft, 1956)
Peter Brüning ("74/61", 1961)
Otto Greis (Erynnis, 1957)
Georg Baselitz (Stillleben, Farbtöpfe, 1969)
Karl Fred Dahmen







