Der Präparator
Seit Februar 2008 arbeitet Herr Malte Seehausen als Biologischer Präparator im Landesmuseum. Nach einer Ausbildung an der Berufsfachschule Bochum hat er u.a. bei André Westerkamp gearbeitet und Praktika in Basel, Münster und Mannheim absolviert. Er ist Mitglied im Verband Deutscher Präparatoren und nimmt regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teil. Darüber hinaus verfügt Herr Seehausen über umfangreiche ornithologische Kenntnisse und unterstützt dadurch Museum und den Nassauischen Verein für Naturkunde.
Aufgaben des Präparators
- Erhaltung und Restaurierung der wissenschaftlichen Sammlung
- Herstellung neuer Ausstellungs- und Sammlungspräparate
- Präsentation der Objekte in Sonder- und Dauerausstellungen

Das Aufgabenfeld der zoologischen Präparation reicht dabei vom Insekt bis zur Großdermoplastik von Säugetieren. Auch Abguss-Techniken von Fischen und Amphibien gehören zur regelmäßigen Arbeit. Dabei werden die Objekte mit Silikon-Kautschuk abgegossen. Die Negativ-Form wird dann mit Kunststoff ausgegossen und am Ende erhält man das Objekt wieder als Positiv. Die abschließende Kolorierung stellt besondere Ansprüche.
Längst sind die Zeiten vorbei "Stopfpräparaten" dem besucher angeboten wurden. Anatomie und Bewegungsbild müssen originalgetreu nachgebildet sein. Auf dem korrekten Kunstkörper kann dann die gegerbte Haut montiert werden. Jeder Fehler bleibt erkennbar und es mangelt nicht an Kritikern.
Eine weitere interessante Präparationsmethode stellt die PEG-Konservierung dar. Dabei wird das Zellwasser gegen Polyethylenglykole unter Vakuum ausgetauscht. Das Gewebe bleibt dauerhaft fixiert ujnd störenden Schrumpfungen bleiben auf ein Minimum reduziert. Am Ende wirkt das Präparat lebendiger. Besonders bei Wirbellosen, Reptilien und kleineren Säugetieren hat sich deise Methoden durchgesetzt.
Im Anschluss stellt Ihnen der Präparator einige neuere Arbeiten vor.
Arbeiten


Für die Sonderausstellung "Mit Bildern wissen schaffen - Eine kleine Geschichte der Naturillustrationen" wurde ein mittelalterliches Buch hergestellt, die Wurzel einer Alraune nachgebildet und an verschiedenen Objekten Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt.
Dreifinger-Faultier
Ein schönes Beispiel dafür ist das Dreifinger-Faultiere, welches in der Landesbibliothek zu sehen sein wird. Vergleichen Sie das "vorher" und "nachher". Es wurden die Lippen und Nasen aufmodelliert, ein defektes Auge ersetzt und anschließend dem Gesicht wieder eine natürliche Färbung gegeben.



Der Pfeilschwanzkrebs
Dank der Tränkung in PEG-Lösung können die bisher in Alkohol aufbewahrten Pfeilschwanzkrebse (Limulus polyphemus) zukünftig "trocken" präsentiert werden. Nach der abschließenden Farbgestaltung mittels der Airbrush-Technik ist ihnen ein Platz in der Ausstellung gewiß. Diese Art lebt an der amerikanischen Atlantikküste in Tiefen zwischen 10 und 40 Metern. Zur Paarungszeit und Eiablage kommen die Tiere direkt ins Flachwasser und an den Strand. Paläontologische Funde belegen den Pfeilschwanzkrebsen ein Mindestalter von 400 Millionen Jahren. Sie werden daher gerne als lebendige Fossilien bezeichnet. In der geplanten Neugestaltung der Dauerausstellung wird ihnen ein eigenes Diorama gewidmet sein.


Die Sperbereule
Auch sehr lange in Alkohol aufbewahrte Häute können noch als Schaupräparat verarbeitet werden. Die Sperbereule (Surnia ulula) bewohnt lichte Taigawälder in Nordskandinavien. DammläuferIhr Name rührt zum einen von ihrem gesperbertem Federkleid, zum anderen aber auch von ihrem rasanten und sehr wendigem Jagdflug. Allerdings stellen, im Gegensatz zum Sperber, Wühlmäuse den größten Teil der Nahrung. In Deutschland ist die Sperbereule ein extrem seltener Gast.
Der Dammläufer
Der Dammläufer (Nebia livida) gehört zu den Laufkäfern (Carabidae). Die Tiere sind Jäger und man findet sie fast ausschließlich auf Sandflächen an Teichen, meist in Kiesgruben. Die meisten anderen Vertreter dieser Gattung leben am rande von Eisfeldern in den Bergen. Es handelt sich um Relikte der letzten Kaltzeiten und ihr Lebensraum ist heute sehr stark begrenzt. Das Modell wird Bestandteil einer Vitrine zum Thema nachhaltigkiet - Kiesgruben innerhalb der Ausstellung "Mineralische Rohstoffe" sein.
Restaurierung von Altpräparaten gehört zu den Schwerpunkten
Restaurierung und Neupräparation von Altpräparaten sind sehr wichtige Aufgaben eines Museumspräparators. Viele alte Tierpräparate sind anatomisch nicht korrekt präpariert oder waren dem Zahn der Zeit so stark ausgesetzt, dass sie heute nicht mehr ausgestellt werden können. Am Beispiel des abgebildeten Wanderfalken wird dies deutlich. Hier wurde das alte Präparat aufgeweicht und komplett neu aufgestellt. Besondere Schwiereigkeiten ergeben sich dabei durch den Fettsäurefraß, der organisches Material - besonders die Haut - unterschiedlich stark im Laufe der Jahrzehnte befällt. Leider läßt sich nur eingeschränkt voraussagen, ob die Schädigung schon soweit voangeschritten ist, dass eine Restaurierung nicht mehr möglich ist. Dieses Risiko kann man daher nicht in jedem Fall eingehen.

Veröffentlichungen/Presse
- Seehausen, M. (2002): Erneutes Sommervorkommen von Spatelraubmöwen (Stercorarius pomarinus) auf Helgoland. - Ornithologische Jahresberichte Helgoland 12: 85-90.
- Seehausen, M. (2007): Gesalzene Schnepfen - Erfahrungen mit der Bearbeitung von Waldschnepfen Haut. - Vortrag auf der 46. Internationalen Fachtagung des VDP im Westfälischen Landesmuseum Münster.
- Seehausen, M. (2007): Gesalzene Schnepfen - Erfahrungen mit der Bearbeitung von Waldschnepfen Haut. - Der Präparator 53: 68-71.
- Filmbericht NDR am 23.11.2007: Das Magazin: "Die Natur ist das Vorbild".
- Wild und Hund 5 / 2007: "Besondere Waldschnepfe: Mit weißen Schwingen", S. 113.
- Marx, D. (2008): Wo Tiere weiterleben. - Frankfurter Rundschau 29.02.2008.
- Frommann, T. (2008): Auf den Blick in die Augen kommt es an. - Wiesbadener Tagblatt 14.03.2008.
Ein Blick zurück
Zu den bedeutensten Präparatoren zählte sicherlich J. Burger, ein Schüler von Kerz, der in den 1920/30er Jahren im Museum Wiesbaden arbeitete. Seine "Hinterlassenschaften" sind von größter Qualität und noch heute ausstellbar (s. u.a. Restaurierung eines Indischen Löwen. In dieser Zeit standen den Präparatoren fast 500 qm Arbeitsfläche unter dem Dach zur Verfügung, darunter auch ein großes Atelier.

