Ab 2013: Ästhetik der Natur
Die Naturwissenschaftliche Sammlung wird sich ab 2013 der Ästhetik der Natur mit Ausstellungen zur Farbe, Form, Bewegung und der Zeit widmen. Wir bedauern die Schließung der Naturwissenschaftlichen Ausstellung bis zum Abschluß der Sanierung und laden Sie zur Wiedereröffnung herzlich ein.
Für einen attraktiven Neuanfang der Naturwissenschaftlichen Sammlung soll nach Abschluss der Sanierungsarbeiten eine inhaltliche und gestalterische Präsentation entstehen, die erstmals auf Querverbindungen zwischen den beiden Abteilungen Kunst und Natur abzielt. Ausgehend von den Besonderheiten der Wiesbadener Naturwissenschaftlichen Sammlung und den hier über fast zwei Jahrhunderte zusammengetragenen Exponaten ist unter dem Stichwort Ästhetik der Natur ein Konzept erarbeitet worden, das im Konzert der naturkundlichen Museen und Museumsabteilungen im Rhein-Main-Gebiet neue Akkorde anschlägt. Die klassische Gliederung der Naturwissenschaften in Geologie, Botanik, Zoologie etc. soll weitgehend aufgehoben werden. Im Mittelpunkt der Dauerausstellung werden stattdessen Begriffe und Phänomene aus der belebten und unbelebten Natur stehen, die von ganz unterschiedlicher Seite beleuchtet und erfahrbar gemacht werden. Nicht das enzyklopädische Auflisten, sondern das Aufzeigen universeller Prinzipien anhand von exemplarischen Beispielen ist zentrales Anliegen. Vier Themen stehen im Mittelpunkt:
Farbe
Farben können Assoziationen und Gefühle hervorrufen und sind zudem ein bedeutender Informationsträger. Nicht nur im Tierreich werden Farbtrachten angelegt, auch Blüten kleiden sich farbig und werben um die Gunst ihrer Bestäuber. Es geht aber auch ums Überleben in freier Wildbahn, und so hat die Evolution mit Farben über Jahrmillionen hauptsächlich drei Ziele verfolgt: Tarnung, Warnung und Werbung. Ein Blick auf die Farbenpracht verschiedenster Organismen wirft jedoch grundsätzliche Fragen auf. Wie erzeugen diese Organismen eigentlich ihre Farbigkeit? Und sehen alle Tiere gleich? Diesen und anderen Phänomenen gilt es nachzugehen.
Seitdem sich der Mensch bewusst mit Farben beschäftigt hat, wurden zahlreiche Farbmodelle entworfen. Aus dieser Vielzahl von Ordnungsversuchen soll beispielhaft die Farbenlehre Johann Wolfgang von Goethes behandelt werden. Von seinem Weltbild einer Einheit zwischen Natur und Ästhetik angeregt, liegt es nahe, auch auf die Verwendung und Nutzung von Farben und Pigmenten einzugehen. Ein zentrales Element der künftigen Ausstellung soll daher das Farbhexagon sein, dessen sechs Seiten die Grundfarben präsentieren. Dort werden natürliche Pigmente und belebte und unbelebte Objekte der Natur vorgestellt.
Form
Die Natur erzeugt eine unerschöpfliche Mannigfaltigkeit verschiedenster Formen und innerhalb aller großen Verwandtschaftsgruppen finden sich unterschiedliche, einander aber auch ähnliche Formtypen. Bereits einfachste mehrzellige Organismen wie Schwämme bilden einfache becherartige Körper, aber auch hochkomplexe Netzwerke. Die Entwicklung dieser Formenvielfalt ist ein wichtiger Überlebensmechanismus. Objekte aus der naturwissenschaftlichen Sammlung können nicht nur Grundprinzipien der Formentstehung in der Natur erklären. Eine Präsentation nach ästhetischen Gesichtspunkten wird auch die unvergleichliche Schönheit der natürlichen Formenvielfalt der Wiesbadener naturwissenschaftlichen Sammlung ans Licht bringen, die teils durch die Einfachheit von Symmetrien, teils durch hochkomplexe Silhouetten beeindruckt.
Naturformen haben seit Jahrhunderten das künstlerische Schaffen des Menschen beeinflusst. So sah der Naturforscher und Philosoph Ernst Haeckel die Biologie mit der Kunst verwandt und war besonders von Symmetrien fasziniert. Seine Tafeln zu den Kunstformen der Natur, auf die ebenfalls eingegangen wird, erlangten große Berühmtheit und beeinflussten nachhaltig die Kunst des Jugendstils.
Bewegung
Was lebt, bewegt sich, sei es im Wasser, auf dem Land oder in der Luft. In der künftigen Präsentation können die Besucher ganz dicht an freiplatzierte Schaustücke herantreten und die Kraft und Eleganz der Tiere beim Schwimmen, Laufen und Fliegen erleben. Eine Gruppe von Hammerhaien durchschwimmt den Saal auf Patrouille, Springböcke flüchten im rasenden Lauf vor einem Geparden und sieben Schwäne fliegen dicht über die Besucher hinweg. Viele weitere Exponate demonstrieren die biologischen Voraussetzungen für Bewegung und die zahlreichen Varianten, die im Laufe der Evolution für das Schwimmen, Laufen und Fliegen entstanden sind. Dass der Mensch schon früh auch die besondere Ästhetik der Bewegung entdeckt hat und in neuester Zeit das Medium des Films zur Dokumentation und künstlerischen Darstellung von Bewegung nutzt, ist ein weiterer Aspekt, der in die künftige Präsentation einfließen wird.
Zeit
Vor 4,6 Milliarden Jahren wurde die Erde geboren. In ihren Jugendjahren war sie einem Meteoritenbombardement ausgesetzt. Das Wiesbadener Museum besitzt einige dieser Himmelskörper. Der Besucher wird den ältesten Gesteinen und dem ersten Leben auf der Erde begegnen und sie durch einige Zeitalter begleiten - besonders solche, die für die Wiesbadener Region Bedeutung haben. Neben Funden aus dem Erdaltertum, in dem sich fast alle heute noch lebenden Tierstämme entwickelten, und dem Erdmittelalter, der Ära der Dinosaurier, verfügt die Wiesbadener Sammlung über besonders bedeutende Exponate aus der Eiszeit. Besonders die Funde aus den Mosbacher Sanden bei Biebrich und aus den Steedener Höhlen bei Limburg dokumentieren diese Zeit.
