Friedrich Vordemberge-Gildewart
Internationale Kunst seit den 1960er Jahren
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal verdankt das Museum Wiesbaden dem außergewöhnlichen Dialog zwischen der Wiesbadener und US-Amerikanischen Kulturszene seit den 1920er Jahren. Der Kontakt setzte ein, als das Werk von Jawlensky als Mitglied der sogenannten Blauen Vier (gemeinsam mit Feininger, Kandinsky und Klee) erfolgreich in den USA vorgestellt und vermarktet wurde. Maßgeblich beteiligt an dieser Transferleistung war die Kunstvermittlerin und Mäzenin Galka Scheyer.
Fortsetzung fanden diese kulturellen Beziehungen zwischen den USA und der Hessischen Landeshauptstadt nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Museum Wiesbaden als Central Collecting Point der Amerikaner diente (s.o.) und dann wieder im Jahre 1962, als der in Wiesbaden stationierte amerikanische Presseoffizier George Maciunas im Vortragssaal des Museums das Festum Fluxorum Fluxus organisierte, eine Veranstaltungsreihe von 14 Konzerten, die für die Geschichte der Fluxusbewegung als zentraler Auslöser angesehen werden. Aus dieser Tradition und durch verschiedene weitere Kontakte wurde der Aufbau der zeitgenössischen Sammlung immer im Hinblick auf die kunsthistorische Wechselwirkung europäischer/russisch-europäischer und amerikanischer Kunst betrieben.
Heute gehören die Moderne nach 1945 und die zeitgenössische Kunst zu den profiliertesten Positionen des Hauses. Einsetzend mit internationalen Vertretern des Abstrakten Expressionismus reichen die Künstlernamen hier von K.O.Götz über Gerhard Hoeme bis Mark Rothko und Ad Reinhardt. Mit Werken von Georg Baselitz, Jörg Immendorf, Gerhard Richter sowie Arbeiten von Joseph Beuys, Nam June Paik, Wolf Vostell und Dieter Roth ist die deutsche Nachkriegskunst stark vertreten, allein mit 12 Arbeiten von Eva Hesse das Werk einer der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Raum-Installationen von Jochen Gerz, Rebecca Horn und Ilya Kabakov, sowie Arbeiten der amerikanischen Minimal Art ergänzen den Bestand. In ähnlicher Weise, wie diese Künstler an die Konstruktiven Positionen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anschließen, lässt sich mit Malern wie Otto Ritschl, Ulrich Erben und Raimund Girke, die vom Expressionismus begonnene Untersuchung der Farbe als Grundelement jeglicher Malerei verfolgen.
Das Interesse der Landeshauptstadt wie auch des Museums Wiesbaden an einer lebendigen Auseinandersetzung mit bedeutenden Strömungen internationaler Kunst drückt sich auch in dem Alexej von Jawlensky-Preis aus, der alle fünf Jahre in Erinnerungen an das Lebenswerk dieses großen russischen Malers vergeben wird. Mit der Auszeichnung verbunden sind ein Geldpreis, eine Ausstellung im Museum Wiesbaden und der Ankauf einer Arbeit. An der Stiftung des Preises beteiligt sind die Hessische Landeshauptstadt Wiesbaden, die Spielbank Wiesbaden und die Nassauische Sparkasse. Durch die Stiftung des Preises signalisieren die drei Träger-Institutionen, dass sie die Impulse, die von Alexej von Jawlensky auf das kulturelle Leben unserer Stadt ausgegangen sind, als Verpflichtung und als Maßstab betrachten.
Erstmals erhielt ihn 1991 die amerikanische Malerin Agnes Martin. 1996 wählte die international besetzt Jury den amerikanischen Maler Robert Mangold zum zweiten Preisträger. Dritter Preisträger wurde im Jahre 2003 der amerikanische Maler Brice Marden, der den Preis im Jahre 2004 anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Jawlensky: Meine liebe Galka!" erhielt (Ausstellung im Jahr 2008). 2007 wurde der Alexej von Jawlensky-Preis zum vierten Mal vergeben, diesmal an die mehrfache documenta-Teilnehmerin Rebecca Horn. Zur Preisverleihung am 17. März 2007 wurde diesmal nicht nur die mit dem Preis verbundene Ausstellung eröffnet, sondern auch die Spiegelinstallation "Jupiter im Oktogon" eingeweiht.

Rebecca Horn
Jupiter im Oktogon, 2006
Als nächstes erhält der amerikanische Künstler Ellsworth Kelly den Jawlensky-Preis für sein Lebenswerk. Die Auszeichnung für herausragende Leistungen im Bereich der bildenden Kunst wird verliehen im Rahmen der Eröffnung der Preisträger-Ausstellung im Jahr 2012 im Museum Wiesbaden.

