Museum des Jahres 2007

Führungen
Museum Wiesbaden wird „Museum des Jahres 2007“
Deutschlands Kunstkritiker zeichnen Landesmuseum aus
Anlässlich der Urkundenverleihung "Museum des Jahres 2007" erscheint eine vom Verein Freunde der Kunst im Museum Wiesbaden e.V. geförderte reich bebilderte Publikation über das Museum Wiesbaden und seine Sammlungen (Texte: Volker Rattemeyer, Renate Petzinger, Hans-Uwe Schultze, 80 Seiten, 10,00 €)
Deutschlands Kunstkritiker zeichnen Landesmuseum aus
Anlässlich der Urkundenverleihung "Museum des Jahres 2007" erscheint eine vom Verein Freunde der Kunst im Museum Wiesbaden e.V. geförderte reich bebilderte Publikation über das Museum Wiesbaden und seine Sammlungen (Texte: Volker Rattemeyer, Renate Petzinger, Hans-Uwe Schultze, 80 Seiten, 10,00 €)
Begründung der AICA-Jury
Mit hervorragenden Ausstellungen und umsichtiger sowie zugleich konzentrierter Sammlungspolitik hat sich das Museum Wiesbaden in den letzten Jahren, eher unbemerkt von der großen Kunst-Öffentlichkeit, zu einem der führenden Museen in Deutschland entwickelt. Nach dem vorbildlich gelungenen Umbau des in die Jahre gekommenen Gründerzeitgebäudes, der in punkto Beleuchtung, Klima und Raumgestaltung Maßstäbe setzt und gleichwohl einen vergleichsweise engen Kostenrahmen nicht überschritten hat, setzte sich das Institut zum Ziel, die entscheidenden Positionen in der Kunst der Moderne zwischen den expressiv-subjektivistischen und rational-abstrakten Polen in markanter Form zu veranschaulichen und die vielfältigen und komplexen Verflechtungen dazwischen auszuleuchten. Die Politik des Museums trägt programmatische, auf die spezifischen Bezüge der Kunst zugespitzte Züge. Schon die Entscheidung für Programmatisches hebt das Museum Wiesbaden von den meisten Museen in Deutschland mit deren eher diffusen, auf nebulöse Vollständigkeit gestellten Sammlungshorizont ab.
Die nächsten Jahre werden eine erhebliche Erweiterung der bisherigen Ausstellungsfläche bringen und die völlige Umstrukturierung eines ehemals relativ profillosen hessischen Landesmuseums zum Abschluss führen. In den Sammlungen werden die polaren Positionen für die "klassische" Moderne durch die gewichtigen und umfangreichen Bestände an Gemälden von Alexej von Jawlensky und von einigen Gleichgesinnten einerseits sowie den Werken von Fritz Vordemberge-Gildewart und von manchen seiner "konstruktivistischen" Zeitgenossen andererseits bestimmt; darunter befinden sich tadellose Rekonstruktionen der Revolutionskunst Wladimir Tatlins in einem besonderen Raum, der dem Gedenken Annely Judas gewidmet ist. Für die Spätzeit der Moderne stehen eine imponierende Raum-Installation Ilya Kabakovs mit einem Blick zurück auf die sowjetische Revolutionskunst, einschließlich der zerschlagenen Hoffnungen, sowie korrespondierend und kontrastierend ein Ensemble ausgesuchter Beispiele der amerikanischen Minimal Art. Obwohl die Erhellung künstlerischer und kultureller Zusammenhänge den Vordergrund bildet, hat sich das Museum Wiesbaden bei den Neuerwerbungen und dem Anbinden ständiger Leihgaben weitestgehend von ästhetischen Qualitätserwägungen leiten lassen und fast immer die Gefahr gemieden, kunsttheoretische Einsichten zu illustrieren.
Die inspirierende Sammlungsaktivität, die im Zentrum der Museumsarbeit steht und nicht als mehr oder minder lästige Nebentätigkeit behandelt wird, findet ihre überzeugende Ergänzung in einem pointierten und sorgfältig ausgewählten Ausstellungsprogramm. In diesem spielen die aktuellen Volatilitäten des Kunstmarkts keine Rolle. Vielmehr orientieren sich die Ausstellungen wie der Zuschnitt der Sammlungen an ausschlaggebenden Fragen der Kunst der Moderne und erweitern und vertiefen die Perspektiven, die sich durch ihre bedeutsamen Werke abzeichnen. Die komplexen Beziehungen zwischen Kunstwerk und Wahrnehmung werden immer wieder thematisiert, wobei die sinnlichen und sinnenhaft erfassbaren Elemente und Zusammenhänge eine größere Aufmerksamkeit erfahren, als die vordergründig diskursiven. Namentlich exemplarische Einzelausstellungen, wie in jüngerer Zeit von Eva Hesse, der ersten repräsentativen überhaupt, Jochen Gerz oder jüngst Emil Schumacher und vor allem Rebecca Horn eröffnen stets neue Aspekte im künstlerischen "Regime der Wahrnehmung" und werfen, nicht zuletzt dank enger räumlicher Verzahnung, mit vielen aufschlussreichen Durchblicken, beständig neue Fragen an die Bilder und Skulpturen der Sammlung auf. Meist werden aus den Einzelausstellungen ein oder mehrere Beispiele für die ständige Sammlung erworben. Dadurch behält letztere ihre Aktualität und verliert sich nicht in der Grauzone des Musealen.
Das originelle und dichte Führungs- und Veranstaltungsprogramm hat systematisch das einheimische Publikum an die anspruchsvolle und nicht um populistische Effekte bemühte Museumsarbeit herangeführt, die inzwischen auch von ihm mit steigendem Erfolg getragen wird. Das Museum Wiesbaden tritt den beweis an, dass eine planvolle und durchdachte Information auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlichen Mitteln langfristig die entsprechende Resonanz in der Öffentlichkeit erreicht, ohne im Markt der spektakulären Events mithalten zu müssen. Vorbildliche Kataloge und intensive Forschung sind wichtige Pfeiler dieser Museumspraxis. Alles spricht dafür, das Museum Wiesbaden mit dem Titel "Museum des Jahres 2007" auszuzeichnen.
Die nächsten Jahre werden eine erhebliche Erweiterung der bisherigen Ausstellungsfläche bringen und die völlige Umstrukturierung eines ehemals relativ profillosen hessischen Landesmuseums zum Abschluss führen. In den Sammlungen werden die polaren Positionen für die "klassische" Moderne durch die gewichtigen und umfangreichen Bestände an Gemälden von Alexej von Jawlensky und von einigen Gleichgesinnten einerseits sowie den Werken von Fritz Vordemberge-Gildewart und von manchen seiner "konstruktivistischen" Zeitgenossen andererseits bestimmt; darunter befinden sich tadellose Rekonstruktionen der Revolutionskunst Wladimir Tatlins in einem besonderen Raum, der dem Gedenken Annely Judas gewidmet ist. Für die Spätzeit der Moderne stehen eine imponierende Raum-Installation Ilya Kabakovs mit einem Blick zurück auf die sowjetische Revolutionskunst, einschließlich der zerschlagenen Hoffnungen, sowie korrespondierend und kontrastierend ein Ensemble ausgesuchter Beispiele der amerikanischen Minimal Art. Obwohl die Erhellung künstlerischer und kultureller Zusammenhänge den Vordergrund bildet, hat sich das Museum Wiesbaden bei den Neuerwerbungen und dem Anbinden ständiger Leihgaben weitestgehend von ästhetischen Qualitätserwägungen leiten lassen und fast immer die Gefahr gemieden, kunsttheoretische Einsichten zu illustrieren.
Die inspirierende Sammlungsaktivität, die im Zentrum der Museumsarbeit steht und nicht als mehr oder minder lästige Nebentätigkeit behandelt wird, findet ihre überzeugende Ergänzung in einem pointierten und sorgfältig ausgewählten Ausstellungsprogramm. In diesem spielen die aktuellen Volatilitäten des Kunstmarkts keine Rolle. Vielmehr orientieren sich die Ausstellungen wie der Zuschnitt der Sammlungen an ausschlaggebenden Fragen der Kunst der Moderne und erweitern und vertiefen die Perspektiven, die sich durch ihre bedeutsamen Werke abzeichnen. Die komplexen Beziehungen zwischen Kunstwerk und Wahrnehmung werden immer wieder thematisiert, wobei die sinnlichen und sinnenhaft erfassbaren Elemente und Zusammenhänge eine größere Aufmerksamkeit erfahren, als die vordergründig diskursiven. Namentlich exemplarische Einzelausstellungen, wie in jüngerer Zeit von Eva Hesse, der ersten repräsentativen überhaupt, Jochen Gerz oder jüngst Emil Schumacher und vor allem Rebecca Horn eröffnen stets neue Aspekte im künstlerischen "Regime der Wahrnehmung" und werfen, nicht zuletzt dank enger räumlicher Verzahnung, mit vielen aufschlussreichen Durchblicken, beständig neue Fragen an die Bilder und Skulpturen der Sammlung auf. Meist werden aus den Einzelausstellungen ein oder mehrere Beispiele für die ständige Sammlung erworben. Dadurch behält letztere ihre Aktualität und verliert sich nicht in der Grauzone des Musealen.
Das originelle und dichte Führungs- und Veranstaltungsprogramm hat systematisch das einheimische Publikum an die anspruchsvolle und nicht um populistische Effekte bemühte Museumsarbeit herangeführt, die inzwischen auch von ihm mit steigendem Erfolg getragen wird. Das Museum Wiesbaden tritt den beweis an, dass eine planvolle und durchdachte Information auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlichen Mitteln langfristig die entsprechende Resonanz in der Öffentlichkeit erreicht, ohne im Markt der spektakulären Events mithalten zu müssen. Vorbildliche Kataloge und intensive Forschung sind wichtige Pfeiler dieser Museumspraxis. Alles spricht dafür, das Museum Wiesbaden mit dem Titel "Museum des Jahres 2007" auszuzeichnen.
Das Museum Wiesbaden seit der Wiedereröffnung 2006
Im September 2006 wurde das Museum Wiesbaden nach 3-jähriger Sanierung des Mitteltrakts wieder eröffnet. Seither haben rund 85.000 Besucher ihren Weg in das runderneuerte Haus gefunden.
Dessen Abteilungen erschließen sich dem Besucher wie ein Stadtraum. Ausgangspunkt ist die Wandelhalle, sozusagen der Marktplatz mit seinen alten und neuen Anrainern: dem restaurierten Eingangsoktogon mit der Installation Jupiter im Oktogon der Jawlensky-Preisträgerin Rebecca Horn, der Cafeteria, dem Shop, dem eleganten weißen Vortragssaal und der Historischen Bibliothek. Räumliche Aufweitungen, Durchblicke, Übergänge und Brücken locken von der Halle aus in die einzelnen Stadtteile: Jawlensky und die Kunst der Ersten und Zweiten Moderne im Hochparterre, Installationen von Ilya Kabakov und den amerikanischen Minimalisten im 1. Obergeschoss und Gemälde des 16. – 19. Jahrhunderts sowie die Museumspädagogik im Unterparterre.
Dessen Abteilungen erschließen sich dem Besucher wie ein Stadtraum. Ausgangspunkt ist die Wandelhalle, sozusagen der Marktplatz mit seinen alten und neuen Anrainern: dem restaurierten Eingangsoktogon mit der Installation Jupiter im Oktogon der Jawlensky-Preisträgerin Rebecca Horn, der Cafeteria, dem Shop, dem eleganten weißen Vortragssaal und der Historischen Bibliothek. Räumliche Aufweitungen, Durchblicke, Übergänge und Brücken locken von der Halle aus in die einzelnen Stadtteile: Jawlensky und die Kunst der Ersten und Zweiten Moderne im Hochparterre, Installationen von Ilya Kabakov und den amerikanischen Minimalisten im 1. Obergeschoss und Gemälde des 16. – 19. Jahrhunderts sowie die Museumspädagogik im Unterparterre.
Future
Um die Sanierung des Museums Wiesbaden zum Abschluss zu bringen, werden in den Jahren 2007 – 2010 noch die Seitenflügel saniert. Damit verbunden ist auch eine komplette Fassadenreinigung.
Last but not least soll im Zuge der ebenfalls erforderlichen Sanierung von Eingangsportikus und Arkaden auch eine städtebaulich einladende Vorplatzgestaltung realisiert werden.
Mit den noch anstehenden Sanierungsschritten verbunden ist eine Neueinrichtung der Naturwissenschaftlichen Sammlung und der Umzug der Kunst vom 15. – 19. Jahrhundert in den Südflügel des Museums.
Die Sammlung Nassauischer Altertümer soll, dem gemeinsamen Willen von Land und Landeshauptstadt folgend, in das im Aufbau befindliche Stadtmuseum integriert werden.
Kann der Terminplan für alle Maßnahmen gehalten werden, würde das Museum Wiesbaden parallel zu der für 2010 geplanten Neueröffnung des dann benachbarten Stadtmuseums in vollständig neuem Glanz erstrahlen.
Last but not least soll im Zuge der ebenfalls erforderlichen Sanierung von Eingangsportikus und Arkaden auch eine städtebaulich einladende Vorplatzgestaltung realisiert werden.
Mit den noch anstehenden Sanierungsschritten verbunden ist eine Neueinrichtung der Naturwissenschaftlichen Sammlung und der Umzug der Kunst vom 15. – 19. Jahrhundert in den Südflügel des Museums.
Die Sammlung Nassauischer Altertümer soll, dem gemeinsamen Willen von Land und Landeshauptstadt folgend, in das im Aufbau befindliche Stadtmuseum integriert werden.
Kann der Terminplan für alle Maßnahmen gehalten werden, würde das Museum Wiesbaden parallel zu der für 2010 geplanten Neueröffnung des dann benachbarten Stadtmuseums in vollständig neuem Glanz erstrahlen.
